Tag 13 – Sich treiben lassen in Yazd

Auch für heute lautet unser Plan nichts planen und alles dem Zufall überlassen. Beim Frühstück unterhalte ich mich wieder mit Hannes und seiner Freundin Katharina. Die beiden kommen aus Österreich und haben sich ein Jahr Auszeit genommen, um durch die Welt zu radeln. Als erstes haben sie Nordamerika von Westen nach Osten durchquert und sind von dort wieder nach Europa geflogen. Über Griechenland und die Türkei sind sie in den Iran gekommen. Eine spannende Geschichte. Wir unterhalten uns lange und verstehen uns auf Anhieb gut. Ich hoffe, dass ich sie vielleicht mal in Österreich treffen kann, wenn sie wieder zurück sind. Ziel ist übrigens Vietnam.

Da es für die beiden schon heute weiter geht, bleiben wir noch ein bisschen um sie zu verabschieden. Auch Olli und seine Frau wollen den beiden noch alles Gute für die Reise wünschen. Die beiden zeigen mir dann auch noch ihr geliebtes russisches Motorrad, dass sie die nächsten Jahre durch die Welt begleiten wird. Ich bin begeistert und auch fast ein wenig neidisch. Obwohl ich ehrlich gesagt nicht weiß, ob ich nicht vielleicht doch zu feige für so eine große Reise wäre. Dann tauchen auch schon Katharina und Hannes mit ihren gepackten Fahrrädern auf. Zum Abschied mache ich noch ein Foto von den beiden und dann verschwinden sie auch schon in den Strassen von Yazd. Viel Glück und alles Gute euch beiden!

Als wir durch die engen Gassen der Altstadt bummeln, sind es mal wieder die kleinen Geschichten, die uns im Gedächtnis bleiben werden. In einem verlassen wirkenden Bazar entdecken wir eine kleine Bäckerei. Ich möchte ein Foto machen, suche den Blickkontakt und zeige dann auf die Kamera. Als Antwort bekomme ich ein großes Lächeln und ein Hereinwinken. Wieder einmal bedarf es keiner Sprache, um sich zu verstehen. So backe ich unter Anleitung ein Brot, schaue mich um, mache Bilder und als Dank bekommen wir noch ein Brot geschenkt. Unser Geld wollten sie auf keinen Fall annehmen. War ja klar. Ich kann es nicht oft genug wiederholen, aber die Menschen im Iran sind schon etwas sehr besonderes. Man kann nur hoffen, dass mehr Tourismus dieser liebevollen Gastfreundschaft keinen Schaden anrichtet.

Hier und da sieht man auch mal wieder ein Propaganda Plakat der Regierung, aber die meisten Menschen glauben nicht daran. Mein Geschmack sind sie auf jeden Fall nicht. Das ist aber auch alles was man als Tourist mitbekommt. Irgendwelche schiefen Blicke oder gar Feindseligkeiten gegenüber uns oder dem Westen im Allgemeinen sehen wir gar nicht.

Wir verbringen den ersten Teil des Tages uns verschiedene Moscheen anzuschauen und andere Gebäude zu betreten, die man uns zeigen will. Irgendwann stehen wir wieder auf dem Platz vor der Amir-Chakhmagh Moschee und beschließen etwas zu essen, was für unsere iranischen Verhältnisse ohne besondere Ereignisse abläuft. Später entdecken wir hier auch den Saheb Azaman Club. Die Tür des Clubs war auf und so frage ich einen Mann dort nach dem nächsten Training. Am selben Tag gibt es die Möglichkeit den Männern beim Ausführen ihres Sports zu zuschauen.

Da noch Zeit ist gehen wir zunächst zurück zum Hotel, um uns beim Tee trinken ein wenig auszuruhen. Hier treffe ich auch Olli wieder, der gerade am Laptop Videomaterial schneidet. Wir plaudern über Fotografie und Afrika. Manchmal bräuchte ich bei seinem Schweizerdeutsch Untertitel, obwohl mir die  auch nicht wirklich helfen würden. Aber seine Geschichten sind schon wirklich faszinierend. Ich empfehle euch auch mal ein paar seiner Reiseberichte auf seiner Webseite Slowriders zu lesen.

Angeles hat keine Lust mehr zum Sport gucken mitzukommen und so laufe ich die 10 Minuten allein. Unterwegs treffe ich noch auf Martin unseren tschechischen Freund. Mitkommen will er nicht, da er dieselbe Veranstaltung schon vor zwei Tagen besucht hat. So mache ich mich dann alleine zum Zurkhaneh (Haus der Stärke) auf, dass in einen alten Wasserspeicher gebaut wurde. Ich zahle einen symbolischen Eintritt und komme nach einem kurzen Flur in einen runden Raum mit einer hohen Decke. In der Mitte des Raumes ist gibt es eine kleine, runde abgesenkte Arena. Auf der einen Seite sitzen die Zuschauer und auf der anderen Seite liegen Sportgeräte rum, machen sich Sportler warm und es befindet sich dort die „Bühne“, auf der die beiden Musiker sitzen. Angeblich ist dies der einzige Zurkhaneh, den Frauen besuchen. So befinden sich bei den Zuschauern die Frauen auf der einen und die Männer auf der anderen Seite. Ich bekomme erst einmal einen Rüffel, weil ich meine Schuhe nicht ausgezogen habe.

Die Musiker sind ein Trommler und ein Sänger. Die beiden geben mit ihrer Musik den Rhythmus der Übungen der Sportler vor. Diese Art der Körperertüchtigung lässt sich bis ins alte Persien zurückverfolgen und diente einst der Vorbereitung auf Kampfsituationen. Beim Training sehe ich ältere sowie jüngere Männer. Auch dachte ich zuerst, dass es sich um eine Veranstaltung für Touristen handelt. Aber die Männer halten sich in ihrer Freizeit hier fit und auch Einheimische schauen ihnen dabei zu. Höhepunkt des Trainings ist, dass die Männer sich am Ende jeweils allein in die Mitte zu stellen und sich im Rhythmus der Musik immer schneller drehen, bis sie das Gleichgewicht verlieren. Die restlichen Männer stehen dabei im Kreis und passen auf, dass sie sich dabei nicht wehtun. Man sieht dabei einen gewaltigen Unterschied zwischen den jungen Kerlen und den reiferen Männern. Als die erste Gruppe das Training beendet, steht auch schon die nächste Gruppe bereit. Ich entschließe mich aber zum Hotel zurückzukehren und den Tag dort mit Angeles ausklingen zu lassen.

By | 2018-06-12T22:08:12+00:00 Juni 12th, 2018|Allgemein|0 Comments

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