Tag 11 – Morgengrauen in Yazd

Als ich im Bus aufwache sind wir schon fast in Yazd. Auch wenn ich ganz gelassen bin, bin ich doch ein bisschen neugierig ob der Hotel Taxifahrer wie vereinbart auf uns wartet. Immer wenn wir an einem Busbahnhof aus dem Bus gestiegen sind, waren die Taxifahrer nie weit. Ob das um 4:30 Uhr morgens wohl auch so ist? Die Frage klärt sich schnell. Wir haben unseren Rucksack noch nicht ganz aus dem Laderaum gezogen, spricht uns bereits ein Mann an und zeigt uns dabei eine Karte vom Friendly Hotel, unserem Hotel. Ich nicke, den Rest scheint er nicht zu verstehen. Er gibt mir zu verstehen, dass er schnell den Wagen holt und dann wiederkommt. Ich bin erleichtert, dass wir uns um die Uhrzeit in unserem Zustand keine Fahrgelegenheit suchen müssen. Während wir warten, kommt ein zweiter Mann auf uns zu, hält mir sein Handy unter die Nase und fragt: „You?“ Auf dem Display ist ein Foto von mir und Angeles im Hotel in Shiraz. Ok, Farzad aus Shiraz hatte zum Abschied auch noch ein Bild für seinen Instagram Account gemacht. Er muss das Bild auch gleich weiter ans Hotel geschickt haben. Clever. Aber wer war dann der erste Mann? Zufall? Der Typ mit dem Foto scheint mir allein wegen des Fotos seriöser und so folgen wir ihm. Während wir unsere Rucksäcke in seinen Kofferraum laden, kommt der andere Fahrer mit seinem Auto angebraust und scheint negativ begeistert darüber zu sein, dass wir mit einem anderen Taxi fremdgehen. Wir steigen ein und schauen zu wie die beiden morgens um halb fünf lautstark diskutieren.

Auch unser neuer Fahrer spricht kein Englisch und wir erfahren so auch nicht, warum der zweite Fahrer dort war. So heizen wir dann in seiner ollen Kiste mit 100 Sachen durch die menschenleere Innenstadt. Vor jedem Strassenbuckel steigt er voll in die Eisen, um danach wieder zu beschleunigen was der Wagen hergibt. Nach gut 20 Minuten kommen wir im Friendly Hotel an. Nach dem Eingang kommen wir über einen schmalen Gang in einen überdachten Innenhof. Es ist wirklich frisch, um nicht zu sagen arschkalt und wir setzen uns direkt an einen Ofen, der wie ein Lagerfeuer aussieht. Man bietet uns Tee an, den wir dankend annehmen. Um kurz nach fünf Uhr öffnet sich eine erste Tür, der um den Innenhof angelegten Zimmer. Nach einer kurzen Unterhaltung stellt es sich heraus, dass das junge Pärchen aus Dresden kommt und heute in aller früh einen Viertausenden besteigen will, den man einfach erwandern kann. Ganz ohne Klettern. Ein Taxi bringt sie zum 1 1/2 Stunden entfernten Startpunkt und holt sie dort am Nachmittag wieder ab. Erfahrung haben sie eigentlich keine, wollen aber spontan was anderes machen, da ihnen jemand am Vortag von der Route erzählt hat. Bei der spannenden Geschichte vergessen wir völlig die Uhrzeit und dass die anderen Gäste noch schlafen. Unser Taxifahrer ermahnt uns freundlich mit einer Geste etwas leiser zu sein.

Als sich die beiden auf den Weg machen, beschließen wir auch eine kleine Runde mit den Kameras zu drehen. Frühstück gibt es noch keins und in das Zimmer können wir auch nicht, da können wir besser das Licht der blauen Stunde ausnutzen. Schon bei der Anfahrt mit dem Taxi haben wir gesehen, dass unser Hotel (übrigens auch sehr viele andere) fast neben der blauen Moschee liegt. Auf Fotos war sie schon eines der visuellen Highlights für Angeles. Die Masǧed-e ǧāmeʾ-e Moschee ist übrigens auch auf dem 200 Rial Schein zu sehen. So laufen wir dann etwa anderthalb Stunden durch die menschenleeren Straßen und machen unsere ersten Bilder von Yazd bei wunderschönem Licht. Ich Idiot hatte allerdings den ISO-Wert meiner Kamera noch auf 2.000 stehen. Gottseidank steckt die Olympus das gut weg und ich muss mich Zuhause nicht über verrauschte Bilder ärgern.

Ziemlich durchgefroren kommen wir zum Hotel zurück wo die Angestellten gerade dabei sind das Frühstück vorzubereiten. Also setzen wir uns direkt an den Tisch und bedienen uns am Buffet. Auf das Zimmer müssen wir noch ein wenig warten und vertreiben uns die Zeit mit Tee trinken. Als wir dann unser Zimmer bekommen sind wir auf der einen Seite froh, dass wir uns endlich duschen und umziehen können, aber auf der anderen Seite ein wenig enttäuscht, da das Zimmer sehr klein und dunkel ist. Egal, fertigmachen, kurz ausruhen und raus. Das ist der Plan für den restlichen Tag.

Im Innenhof stolpere ich noch über einen japanischen 1. FC Köln Fan. Da mein Bruder ebenfalls ein Riesenfan ist, muss ich ihn natürlich ansprechen. Er war mit seiner Frau vorher in Deutschland und hat sich dann auch ein Spiel vom FC angeschaut, da dort auch ein Japaner unter Vertrag steht.

Einen festen Plan haben wir auch heute wieder nicht und ziehen einfach mal los. Wie immer kommen wir wegen der Fotografiererei immer nur sehr langsam voran. Auch nach 10 Tagen haben wir uns noch nicht an alles im Iran gewöhnt und fast alles ist für unsere Augen interessant. Heute wird mir zum ersten Mal bewusst, dass ich bisher völlig vernachlässigt habe, viel mehr Menschen zu fotografieren. Vor allem habe ich bisher das Gefühl, dass die Männer wahrscheinlich überhaupt kein Problem damit hätten, wenn ich sie fragen würde. Frauen darf ich ja leider nicht ansprechen. Ich nehme mir also für den Rest der Reise vor mehr Menschen anzusprechen.

Ein spanischer Freund hatte mir schon gesagt, dass das Wasser Museum in Yazd ein Pflichtbesuch für uns sein sollte. Als wir nun davorstehen, überlegen wir gar nicht erst, sondern gehen gleich rein. Wie immer sind die Eintrittspreise sehr human und fallen eigentlich nur ins Gewicht, wenn man sehr viele Museen/Moscheen am Tag besucht. Im Museum geht es darum wie es die Menschen in der Wüste geschafft haben immer genug Wasser zum Überleben zur Verfügung zu haben. Da wir keine englischsprachige Tour mitmachen (zumindest meine ich mich zu erinnern, dass es welche gab), sind wir auf die Hinweisschilder angewiesen. Diese sind jedoch auf Farsi und so müssen wir uns dann unsere eigene Geschichte dazu ausdenken. Am meisten Zeit verbringen wir dann aber fast in einem Nebenraum mit einem großen bunt verzierten Fenster. Das Sonnenlicht fällt genauso durch das Glas, dass ein interessantes Farbspiel auf dem Boden entsteht. Nicht so spektakulär wie in der pinken Moschee, aber zumindest sind wir alleine.

Zum Mittagessen gehen wir zu einem „Imbiss“, den wir in der Nähe vom Museum gesehen haben. Wir bestellen zwei Falafel Sandwich und eine Samosa. Während wir an einem Tisch auf unser Essen warten, sprechen uns zwei Einheimische an. Eine wirkliche Unterhaltung scheitert aber an unserem Farsi und ihren Englischkenntnissen. So tauschen wir vereinzelte Wortbrocken aus. Als ich den beiden erzähle, dass im Iran nur der Straßenverkehr gefährlich ist, verziehen sich ihre Gesichter ein wenig. Verdammt. Vermutlich ist bei den beiden angekommen, dass der Iran gefährlich ist. Mit Hilfe von Google Translate lässt sich das ganze aber aus der Welt schaffen und wir sind wieder Freunde. Nachdem sie uns auf einer Karte ihre Heimatstadt im Südwesten des Landes gezeigt haben, bestehen sie noch darauf uns auf eine Cola einzuladen. Hände werden geschüttelt und wir verabschieden uns herzlich. Die Falafeln sind nicht nur super lecker, sondern auch extrem günstig. Wir bezahlen keine zwei Euro und selbst ein Trinkgeld von nicht einmal 10 Cent möchten sie nicht von uns annehmen. Unglaublich.

Yazd ist eine Stadt, die bekannt dafür ist, die Dächer zu erkunden. Im Zentrum gibt es keine mehrstöckigen Gebäude und so hat man fast überall einen interessanten Blick auf die Stadt mit ihren braunen Lehmhäusern, Windtürmen und Moscheen. Viele Cafés und Restaurants werben mit ihren Dachterrassen. So beschließen wir noch einen Kaffee im Baam Cafe zu trinken, um so eine erste Aussicht über die Stadt zu bekommen. Die Terrasse wird gerade renoviert, soll aber heute Abend schon wieder begehbar sein. So müssen wir mit einem Blick vom Balkon Vorlieb nehmen. Ich spreche noch unseren Kellner auf seinen schicken Schnurrbart an und fotografiere ihn noch.

Danach gehen wir zurück zum Wasser Museum, um unsere Aufmerksamkeit dem gegenüberliegenden Amir Chaqmaq Komplex‌ zu widmen. Auf dem Weg sehe ich einen Obsthändler, der vor seinem Laden im warmen Sonnenlicht sitzt. Zuerst mache ich ein verdecktes Foto, erinnere mich aber an meinen Vorsatz mehr Menschen zu fotografieren. Also gehe ich zurück und begrüsse ihn mit einem freundlichen Salam, dass er mir ebenso freundlich beantwortet. Ich zeige auf meine Kamera und frage: Foto? Eine bessere Art des Fragens ist mir leider auf die Schnelle nicht eingefallen und wird es auf dem Rest der Reise wohl auch nicht mehr. Seine Antwort besteht aus einem Lächeln und einem Nicken. Ich freue mich und mache schnell ein paar Aufnahmen, bevor ich mich nochmal bedanke und verabschiede.

Vor der Chakhmaq Moschee spreche ich noch ein paar Leute an, um einfach mehr Menschen im Iran festzuhalten und ärgere mich ein wenig, dass ich nicht viel früher damit begonnen habe. Wir finden auf die schnelle keinen Weg in den Komplex und begnügen uns damit Fotos von diesem symmetrischen Gebäude zu machen. Ein paar Mal werden wir für Fotos angesprochen, aber auch einige Taxifahrer bieten ihre Dienste an. Wenn man aber erst einmal den Dreh raus hat, ist man sie schnell wieder los. Langsam setzt bei uns die Müdigkeit ein und entscheiden zum Hotel zurückzukehren. Es war ein sehr langer Tag.

By |2018-03-14T22:34:32+00:00März 1st, 2018|Reise|0 Comments

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